Hugo Reyne, der hierzulande viel zu wenig bekannte französische Blockflötist, ist eine wirklich singuläre Erscheinung in der internationalen Blockflötenszene: In Zeiten, die den spannungsreichen Drive nach vorn oder die Virtuosität um jeden Preis feiern, bringt er die Blockflöte wieder zum Singen und gewinnt ihr dabei jene Süße zurück, die ihr doch so eigen ist. Sein einzigartig hingabefähiger und -williger Ton, dessen unverhüllte Ausdruckskraft altmodisch zu nennen arrogant wäre, macht Hugo Reyne zum heute vielleicht letzten Erben der Spielweise Frans Brüggens – eines Zugriffs, der im instinktsicheren Einsatz von Schwelldynamik und innerer Bebung das damals vorherrschende spätromantisch inspirierte Dauervibrato unterbrach.
Ein kammermusikalischer Leckerbissen für alle und jeden – und eine Lust für Studenten und Lehrer, die dem Französischen in authentischem Gewand nachlauschen möchten.
Hugo Reyne hat sich in Spiel und Forschung ganz der französischen Barockmusik verschrieben, die er in den vergangenen Jahrzehnten gemeinsam mit anderen – etwa mit William Christies „Les Arts Florissants” – neu zu ungeahnter Entfaltung brachte und heute mit seinem Ensemble „La Simphonie du Marais” in wechselnden Besetzungen um immer wieder aufregende Facetten bereichert. Besonders seine Ausdeutungen französischer Blockflötenmusik sind nach wie vor unerreicht: Was andere Interpreten als Fremdsprache zu lernen haben, ist für Hugo Reyne unüberhörbar die Muttersprache, die er als solche – im Unterschied etwa zum stärker „international” intonierenden Sébastien Marq – hegt und pflegt.

Dass ein idiomatisch beglückenderes Spiel nur schwer vorstellbar ist – Hugo Reyne wird mit seinen einfühlsamen Mitstreitern an Gambe, Laute oder Theorbe bei seinem Auftritt im Ibach-Haus diese
Vermutung sicherlich zur Gewissheit werden lassen.
„...Die wie selbstverständlich hingeschlenzten notes inégales oder das feinnervig belebte flattement, spontan, verschwenderisch fast und doch nie überbordend, adeln den artifiziellen Affekt mit einer quasi zweiten Natürlichkeit. Es herrscht eine großzügige – eben „französische” – Warmherzigkeit im Ton, in der stets ausschwingenden Geste, die ummantelt und getragen wird vom farblich wechselnd besetzten Continuo...”
aus einer Rezension zu Hugo Reynes Aufnahme der Blockflötensuiten Francois Dieuparts,
block & flöte 1/03
Mit freundlicher Unterstützung von Stephan Blezinger
10.00 - 13.30   Musik der Renaissance verzieren lernen.
Ensemble-Workshop mit Susanne Hochscheid
Natürlich denkt man bei Susanne Hochscheid sofort an Flautando Köln, das deutsche Blockflötenquartett mit dem unverwechselbaren Esprit – eine qualitätssichernde Assoziation übrigens, denn nur wenige Lehrer verfügen über einen ähnlichen Riesenfundus an Ensemble-Erfahrungen wie Susanne.

Ihr Ensemble-Workshop im Ibach-Haus hat mittlerweile Tradition und wurde in den vergangenen Jahren von den Kursteilnehmern begeistert genutzt.

Neben der Einzelarbeit an ausgewählter Literatur, die von den Ensembles mitgebracht wird, steht für alle Beteiligten dieses Mal eine Einführung in die Kunst des Verzierens auf dem Programm: erprobt und eingeübt an Beispielen aus der Renaissance – jener Epoche mit dem so reichhaltig nutzbaren Repertoire für das gemeinsame Blockflötenspiel.

Eingeladen sind erneut Blockflötengruppen aller Art: vom Laienspielkreis über das Musikschulquartett bis hin zur Hochschulformation.
Teilnehmerzahl (aktiv):
aktiv (pro Ensemble):
passiv:

4 Ensembles (vom Duo bis zum Sextett)
€ 90,-
€ 10,-

Die Einzelspielzeit der aktiven Ensembles beträgt jeweils 40 Minuten statt wie in den vergangenen Jahren 25 Minuten.
Anmeldeschluss 30.Oktober
10.00 - 13.00   La Joyeuse et La Melancholique
Über die Schönheiten der französischen Barockmusik.
Blockflötenworkshop
mit Ursula Schmidt-Laukamp
  Ohne Ursula Schmidt-Laukamp wäre die deutsche Blockflötenwelt ärmer: Nicht nur unterrichtet sie seit Jahrzehnten mit großem Erfolg an der Kölner und mittlerweile auch an der Düsseldorfer Musikhochschule die kommende Profi-Generation, sondern sie hat darüber hinaus dem schon von klein auf vielversprechenden Nachwuchs mit den „Internationalen Blockflötentagen Engelskirchen” eine Plattform des Vergleichs und der Ermutigung geschaffen, die heute nicht mehr wegzudenken ist.

Aus Anlass des heutigen Konzerts mit Hugo Reyne geht es Ursula Schmidt-Laukamp ganz besonders darum, den Teilnehmern die Angst vor der Raffinesse der französischen Blockflötenmusik im barocken Kleid zu nehmen, die den Hörer unzweifelhaft betört, vom Spieler aber leider zu häufig gemieden wird. Flattement, inegales Spiel oder die verschwenderische Ornamentik – all dies ist lernbar bereits für den anfänglich Fortgeschrittenen, der sein Verständnis des französischen Stils durch eigenes Spielen und Ausprobieren vertiefen möchte.

Ursula Schmidt-Laukamp bringt ihre Korrepetitorin und ein Spinett mit, so dass die gemeinsame Arbeit an der Musik wirklich deren reichhaltige Strukturen und Affekte aufspüren kann. Versucht werden soll dies je nach Vorbereitung der Teilnehmer an:

Michel P. de Monteclair, 4. Konzert für Altblockflöte und b.c. (RL 40220)
J.M.Hotteterre, Troisième Suite op.5 für Altblockflöte und b.c. (GM 23b)
Charles Bâton, Cinquième Sonate für zwei Altblockflöten (RL 40720)
Die Vorbereitung einer Stimme reicht aus.


Natürlich kommt das ästhetische und aufführungspraktische Umfeld der Musik nicht zu kurz, das von Ursula Schmidt-Laukamp erklärend, beispielgebend oder kommentierend mit eingeflochten wird. Daher sind nicht nur interessierte Spieler und Studenten, sondern gerade auch Lehrer ganz herzlich eingeladen, die ihre alltägliche Unterrichtspraxis neu beleben oder erweitern wollen.
Teilnehmerzahl (aktiv):
aktiv (pro Ensemble):
passiv:

8-10
€ 25,-
€ 10,-

Anmeldeschluss 30. Oktober   ·   Die vorzubereitende Literatur ist erhältlich bei early music im Ibach-Haus.
10.00 - 14.00   Blockflötenbau international:
Tim Cranmore

Seit 1979 macht er sie – seine Blockflöten, die immer noch und immer wieder zu den gefragtesten weltweit gehören: sei es wegen der Vielfalt der Modelle, die besonders den barocken Blockflötenkosmos abzubilden versuchen, sei es wegen der stark ausgeprägten Individualität einzelner Exemplare, die nie weniger, aber auch nicht mehr sein wollen als ihre Vorbilder in vergangener Zeit: eben eine „flauto dolce”. So war es nur naheliegend, dass Hugo Reyne gerade auch in seiner maßstabsetzenden Dieupart-Aufnahme ausschließlich Blockflöten Tim Cranmores zu Gehör brachte, deren Anteil an der Süüffigkeit des dort Dargebotenen nicht hoch genug einzuschätzen ist.

Tim Cranmore begleitet den heutigen Tag mit Kostproben seines Sortiments und ist für persönliche Beratung und Begutachtung ansprechbar. Darüber hinaus nimmt er auf Wunsch kleinere Korrekturen oder Nachbesserungen an Instrumenten seiner Kunden vor.

15.00   L’art et la nature – Vom Wesen und
Werden der französischen Barockmusik,
mit Karsten Erik Ose

Was ist eigentlich so französisch an der Musik, die im höfischen Umfeld des selbst ernannten Sonnenkönigs gedeiht, wirkt, zelebriert wird? Sicherlich einzigartig: die Melange von hochgezüchteter Stilisierung und nur scheinbar naturnahem Affekt. Doch solcherlei artifizielle Selbstinszenierung, wenn auch in ganz anderer Gestalt, ist auch barocken Nationalstilen vis-à-vis eigen. Es hilft also nichts: Nur die Einbettung der Musik in die anderen Sprachen ihrer Kultur, den Tanz, die Architektur, die Grammatik domestizierten Natursehnens, nimmt die Frage hinreichend ernst – eine Frage, deren lustvolle Ausdifferenzierung natürlich bei Karsten Erik Ose, dem geistreichen, wahrhaft gelehrten und stets pointenreich skizzierenden Musikologen, in allerbesten Händen liegt. Seine Vorträge und Konzerte verzieren die Schwelmer Blockflötentage seit je mit Ornamenten der belebendsten Art, ist er doch als philosophierender Flötist und von der geschichtlichen Muse geküsster Ästhet eine echte Instanz in Sachen historisch informierter Aufführungspraxis.
5,-   (für Konzertbesucher kostenfrei)

16.30   Konzert: Hugo Reyne
et La Simphonie du Marais
   

Dieupart, Philidor, Hotteterre und andere
Botschafter des französischen Hochbarock

     
€ 13,- normal
€ 10,- ermäßigt
€ 32,- Familienkarte

Telefonische
Kartenreservierung
unter 0 23 36-990 290
 
     
    Blockflötenzauber, Gambengesang, Lautentimbre:
eine Lehrstunde konzentrierter Versenkung
in musikalische Kostbarkeiten pour la chambre.
 
Start • 2004/2005 • 2. Blockflötentag - 06.11.2004
 
 
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