Maurice Steger ist unzweifelhaft der Extremkünstler an den Spiel-, Ton- und Ausdrucksgrenzen der Blockflöte: Hingabewillig wie nur wenige, läßt er die Musik als gelebten, als aufregend pulsierenden Augenblick erstehen, indem er das Korsett vorgängiger Notation geradezu aufsprengt zu sinnlich lebendiger Aktualität. Daß Musik eben mehr ist als die geduldige Entfaltung des im Text Gemeinten, daß ein nicht ableitbarer spontan-imaginativer Zugriff sie überhaupt erst zu dem macht, was sie wirklich ist – in Stegers Kunst erleben wir diese Selbstverständlichkeit neu: Sein Spiel ist nichts weniger als nur vordergründig spektakulär, sondern verschreibt sich einem unbedingten Gestaltungspathos in der Nachfolge Harnoncourts.

Im kosmopolitischen Naoki Kitaya fand Maurice Steger schon vor über 10 Jahren den idealen Partner, der mit seinem Klangsinn Stegers Inspirationen stützt, ergänzt oder im reaktionsschnellen Dialog auch vollendet. Kenner werden es sicherlich zu schätzen wissen, daß Kitayas Kunst sich auf einem zweimanualigen Couchet frei entfalten wird: dem exquisiten Nachbau Burkhard Zanders, der sein Instrument vor und während des Konzerts betreuen wird.


10.00 - 13.30

  Blockflötenworkshop
mit Dorothee Oberlinger

   
Sie teilt sich mit Maurice Steger den Ruf, das Niveau des Blockflötenspiels für die kommenden Jahrzehnte neu zu definieren – Dorothee Oberlinger, die das flötentechnisch Mögliche mit dem intensiv geformten Ausdruck zu einer Klassizität, ja Gültigkeit verbindet, wie es sie bisher aus der Idiomatik der Blockflöte heraus noch nicht gab. Ihr letztjähriges Konzert im Ibach-Haus war darüber hinaus ein Triumph ihrer Könnerschaft im Bereich gegenwärtiger Blockflötenmusik.

Im Workshop zu zeitgenössischer Blockflötenmusik zeigt Dorothee, daß und wie gerade heutiges Komponieren die Blockflöte substantiell fordert und bereichert: Nach einer mit charakteristischen Klangbeispielen garnierten Einführung in die Geschichte der modernen Blockflötenmusik werden zunächst neue Spieltechniken gemeinsam eingeübt. Anschließend unterrichtet Dorothee exemplarisch ein oder zwei Werke, die sie aus den Teilnehmervorschlägen zur Anmeldung auswählt.

Geeignet ist der Kurs besonders für fortgeschrittene Schüler, Studenten und Musikschullehrer.

Mindestteilnehmerzahl: 15
Teilnahmegebühr: 25,– € / 15,– € (Schüler, Studenten)


Anmeldeschluß 11. Januar. Bitte eine Altblockflöte (440 Hz) mitbringen.


11.00 - 14.30 Ausstellung, Reparaturen,
Tips und Infos rund um MARSYAS
mit Christoph Trescher
Marsyas – der die Götter herausfordernde Flötenkünstler aus der antiken Mythologie ist heute Namenspatron eines nicht minder zu den Sternen greifenden Instruments: der ungemein kantablen Blockflöte Heinz Ammanns mit der verblüffend leichtgängigen Höhe. Noch immer ein feiner Geheimtip zwischen den besten europäischen Serienprodukten und dem handgearbeiteten Einzelstück, wird sie in Deutschland über nur wenige ausgewählte Händler ausgeliefert.
   
Christoph Trescher,der Intoneur mit dem selten ausgeprägten Instinkt für flötenspezifische Klangfarben, stellt heute MARSYAS umfassend vor: mit einer Ausstellung und der Möglichkeit individueller Beratung am Instrumentenstand (11–13 Uhr), in einem kleinen Vortrag zu Entstehung und Idee der MARSYAS-Blockflöten (14–14.30 Uhr) sowie mit dem Angebot, schon gekaufte Instrumente vor Ort nachzuarbeiten. Da das Gütesiegel von MARSYAS in der aufwendigen Intonation besteht, wird Christoph die ihm anvertrauten Blockflöten in ungestörter Atmosphäre bis zum Konzertbeginn instandsetzen.

Gerne begutachtet Christoph, der sich seine Arbeit an der Blockflöte zwischen der Firma Küng und dem MARSYAS-Projekt aufteilt, auch mitgebrachte Küng-Instrumente und nimmt – sofern vor Ort möglich – kleinere Korrekturen an ihnen vor.


15.00   Blockflötentechnik intensiv – Wege zum
künstlerischen Spiel auf der Blockflöte

mit Gudrun Heyens

    Seit mittlerweile 30 Jahren konzertiert und unterrichtet Gudrun Heyens gleichermaßen erfolgreich an stets vorderster Front der musikalischen wie pädagogischen Auseinandersetzung mit der Blockflöte. Ihre reichhaltigen Erfahrungen fanden jüngst einen Niederschlag in der zweibändigen Veröffentlichung Blockflötentechnik intensiv – vielleicht dem Grundlagenwerk schlechthin für den fortgeschrittenen Spieler oder den an
professioneller Handhabung der Blockflöte Interessierten. Der Clou des Ganzen: Kunst in ihren verallgemeinerbaren Ausdrucksformungen ist lehrbar, weil Kunst und Technik – richtig vollzogen – die zwei Seiten einer Medaille sind.

Gudrun Heyens wird ihre Überlegungen heute in praxisnaher Erläuterung und Demonstration entwickeln. „Ziel ist,” – so die Autorin – „die musikalischen Parameter Klang, Bewegung, Spannung/Entspannung usw. bereits im rein technischen Material auffinden und umsetzen zu können, um so zu lernen, mit den einzelnen technischen Elementen musikalisch sinngebend umzugehen.”

So ist der Vortrag eine willkommene Ergänzung oder Bereicherung dessen, was Ursula Schmidt-Laukamp in ihrem Workshop am 02.11. aus ganz ähnlichem Geist für den Primarunterricht vollzog.



16.30   Konzert: Maurice Steger, Naoki Kitaya

con furioso

    Ein barockes Feuerwerk im spannungsgeladenen Dialog zwischen Blockflöte und Cembalo: Musiktheatralik pur!


Mit freundlicher Unterstützung
von Klassik Center Kassel




 


20.30   Blockflötennacht



Sie ist immer ein Ereignis – Nadja Schubert, die deutsche Jazz-Blockflötistin mit dem unnachahmlichen groove in ihrem Flötenrohr. Heute präsentiert sie ein aufregendes neues Projekt: Daß nämlich die Blockflöte in einer jazzigen Formation, deren Klänge und Strukturen sich von elektronischen Farbvaleurs inspirieren lassen, nicht nur wie selbstverständlich zu agieren, sondern sich zwischendurch auch zum tonangebenden ”lead instrument” aufzuschwingen vermag, das war bisher nur schwer vorstellbar. Mit ihrem heutigen Konzert jedoch schafft Nadja Schubert – wie schon so oft – ein kleines Wunder der Überzeugungstäterschaft.

10,– €
  8,– € Schüler, Studenten,
  8,– € in Verbindung mit dem Steger-Konzert
  Mit freundlicher Unterstützung der Firma Conrad Mollenhauer GmbH

 
Start • 2002/2003 • 3. Blockflötentag - 18.01.2003
 
 
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